Mémoire et Vie
29 rue Diderot92170 VANVES
FRANCE
Tel : 33 1 46 44 46 03

Gedächtnis und Leben
E-Mail: info@memoirevie.com
Die Seite druc
Dies sollten Sie lesen ...

Über das Alter und das Gedächtnis

Dieser Artikel von Yves LEDANSEURS soll Antwort geben auf die Fragen zur Zukunft des Gedächtnisses im Laufe der Jahre : Einschränkung, Rückbildung, Demenz – oder Aufblühen ? Die Antwort ist nicht eindeutig.

Es gab eine Zeit, wo immer die anderen davon betroffen waren, nicht zu arbeiten oder arbeitslos zu sein, außer denen, die gar nicht arbeiten wollten. Heutzutage kennt jeder einen oder mehrere Arbeitslose in der Nachbarschaft. Jeder zwischen 20 und 60 weiß, dass er vor dieser Gefahr nicht geschützt ist.

Altern war vor nicht langer Zeit eine vorteilhafte Entwicklung für nur wenige Privilegierte. Man verehrte sie, und vergaß leicht die Schwierigkeiten, die manchmal das Altern begleiten. Jetzt gehört das Alter zur Allgemeinheit, jeder von uns kennt, in seiner Familie oder nahe dabei, einen oder mehrere Alte. Jeder weiß, dass es, statistisch gesehen, große Chancen gibt, 80, 90 oder 100 Jahr alt zu werden. Und beinahe selbstverständlich ergibt sich dabei auch der Anspruch :"Mein Körper, ja, der kann altern, aber mein Kopf bitte später". Und so breitet sich die Angst aus, schlecht zu Altern, besonders vor dem Verlust des Gedächtnisses, und beeinträchtigt, als ob das so sein müsste, die den Menschen von heute gebotene Chance auf ein langes Leben.

Versuchen wir mal eine Zusammenfassung. Wie ist das mit unserem Gedächtnis, wenn wir unser zweite Jahrhundert-Hälfte anfangen ? Dieses Vergessen von Namen, die uns nicht einfallen wenn wir sie brauchen. Oder wenn wir irgend wohin gegangen sind und wissen nicht mehr, warum. Ist all das wirklich das Zeichen einer langsamen und unaufhaltsamen Verschlechterung unseres Gedächtnisses ? Ist diese Verschlechterung durch Krankheiten, die man uns manchmal im Fernsehen darstellt, das mehr oder weniger schicksalhafte Ergebnis des Nachlassens ? Mit einem Wort, muss man, wenn man alt wird, sich auf das Schlimmste gefasst machen ?

Nun mal langsam.

Um hier klar und deutlich zu antworten, muss man vor allem sorgfältig unterscheiden zwischen der normalen Entwicklung unserer Funktionen im Verlauf des Lebens, und dem, was von einer Krankheit abhängt. In Krisen-Situationen ist das oft nicht so einfach. Es gibt tatsächlich Krankheiten, wie die Depression, die unser Gedächtnis zumindest zeitweilig beeinträchtigen. Es gibt die Krankheiten der Degeneration des Gehirns, die so um die fünfzig auf uns zukommen können, aber doch häufiger erst im Alter über 75 oder 80 Jahren. Und doch, sie sind selten, und befallen nicht mehr als 5 % der über 60-jährigen. Aber die meisten Leute, die sich über ihr Gedächtnis beklagen, sind ganz einfach solche, die die Funktionen ihres Gedächtnisses schlecht benutzen. Zum Gebrauch einer körperlichen Funktion während eines ganzen Lebens braucht man viel know-how, muss man viel lernen, und jeden Tag den alten Spruch anwenden :"Mach' bei der Arbeit immer wieder eine Pause und prüfe, ob du sie gut machst".

Man hört oft, dass unser Gehirn ein empfindliches Organ sei, das sich mit den Jahren gewissermaßen leert, indem es einen Teil der Zellen verliert, aus denen es besteht. Das ergab schließlich, dass es "natürlich" zu sein schien, dass unsere geistigen Fähigkeiten im Alter nachlassen.

Mediziner und Biologen erkennen sich dabei kaum wieder. Sie vergessen manchmal zu schnell, dass das 100 Jahre lang die offizielle Lehre war, und dass viele immer noch an das glauben, was sie während so langer Zeit gelernt haben.

Heute ist die Aussage der Biologie viel optimistischer. Wir verfügen über ein so großes Kapital an Nervenzellen, dass es schwierig ist, es abzuschätzen. Die offiziellen Zahlen gehen von 30 bis 100 Milliarden. Davon gehen vielleicht einige unterwegs verloren, aber das kann nie eine wirkliche Verminderung unserer Kapazitäten rechtfertigen. Es ist sicher, dass wir mit mehr "arbeitslosen" Neuronen sterben, als mit überbelasteten. Wir werden es nie schaffen, selbst wenn wir jeden Tag eifrig arbeiten, die latenten Leistungs-Kapazitäten zu erschöpfen, die uns zur Verfügung stehen. Bis an das Ende unseres Lebens bleibt unser Gehirn imstande, neue Synapsen zu erzeugen, d.h. neue Kommunikationswege zu eröffnen, um neue Kenntnisse festzuhalten..

Nervenzellen und Synapsen scheinen um so eher funktionsfähig zu bleiben, je mehr wie sie regelmäßig benutzen. Wir sind also dafür verantwortlich, niemals damit aufzuhören, diese ungeheurer große Kapazität, die uns da zur Verfügung steht, zu benutzen.

Könnte nicht ein schlechter Gehirn-Umlauf für Schwächen unseres Gedächtnisses verantwortlich sein ?

Ungefähr 2000 Liter Blut laufen jeden Tag in unserem Kopf um, um dem Gehirn alles zu bringen, was es braucht : Nahrung und Sauerstoff. Und unserem Kopf muss auch gut mit Sauerstoff angereichertes Blut zufließen. Man darf also nicht vergessen zu atmen, zu laufen, täglich eine körperliche Übung durchzuführen. Eine Stunde Marsch ist nützlicher für unser Gedächtnis als viele Sauertoff-Medikamente, die unsere Selbstversorgung mit Sauerstoff ersetzen sollen.

Auch unsere Nahrung muss dem Gehirn Energie liefern. Es ist wichtig, ausgewogen und abwechselungsreich zu essen. Unser innerer Computer findet aus dieser Vielfalt alles, was das Gehirn unbedingt braucht, ohne dass man sich viel darum kümmern muss, die benötigten Bestandteile auszusuchen. Vergessen wir aber auch nicht, dass jede Aktivität, die unser Gedächtnis herausfordert, eine Erhöhung der Gehirn-Tätigkeit auslöst. Indem wir die Funktionen unseres Geistes benutzen : Intelligenz, Gefühle, Gedächtnis, erhöhen wir die Gehirn-Tätigkeit, die wiederum den Nervenzellen die Nahrung liefert, die sie brauchen. Es liegt also an uns, dem Gedächtnis, dadurch dass wir es benutzen, ihm die für sein Funktionieren lebensnotwendigen Nahrungsmittel zu liefern.

Aber mit zunehmendem Alter muss sich diese Maschinerie doch etwas abnutzen !

Man muss nicht wechseln mit schwächer werden verwechseln. Ganz allgemein kann man sagen, dass es keinen Grund gibt, von einer Schwächung des Gedächtnisses im Alter zu sprechen. Wir alle kennen sehr alte Leute, die uns durch Qualität und Genauigkeit ihrer Erinnerungen überraschen. Man muss nur Namen wie Denise GREY und PINAY nennen, damit jeder anerkennt, dass es viele Leute gibt, deren Gedächtnis durch das Alter nicht beeinträchtigt zu sein scheint.

Aber gewisse Anfälligkeiten zeigen sich doch schnell, sobald man anfängt, sich seltener seines Gedächtnisses zu bedienen. Z.B. die Schwierigkeit, sich an Namen zu erinnern, die man eigentlich gut kennen sollte. Hinzu kommen mehr altersbedingte Schwächen, wie leichtere Ermüdung, das Problem mehrere Gespräche gleichzeitig zu führen oder sich auf das zu konzentrieren, was einen nicht wirklich interessiert. Es scheint, dass, je älter man wird, es umso mehr notwendig wird, an etwas interessiert zu sein, um es zu behalten. Die wirkliche Frage besteht dann darin, zu wissen, was uns interessiert und unser Interesse herausfordert, unsere Neugier erweckt.

Muss man Übungen machen, um sich sein Gedächtnis zu erhalten ?

Übungen, so etwa wie die tägliche Morgengymnastik um unsere Gelenkigkeit zu fördern, schaden nicht. Aber unter der Bedingung, dass sie nicht etwa den üblichen Gebrauch unseres Gedächtnisses im täglichen Leben ersetzen. Denen, die sich ihre Aktivität so lange wie möglich erhalten wollen, kann man einige praktische Ratschläge geben.

  • Lassen wir die Krücken weg : alle diese kleinen Mittel, die wir anwenden, um uns nicht unseres Gedächtnisses zu bedienen. Ersetzen wir diese Krücken durch den systematischen Gebrauch unseres Gedächtnisses im täglichen Leben : Telefonieren ohne die Nummer im Notizbuch zu suchen, Einkaufen mit der Liste in der Tasche anstatt vor den Augen, sich an Namen erinnern, indem man dem Gedächtnis Zeit gibt, anstatt andere zu fragen ... Man muss wissen, was man will. Unser Gedächtnis reagiert nur, wenn man etwas von ihm verlangt
  • Aufpassen : meistens ist das, was man so Gedächtnis-Verlust nennt, in Wirklichkeit fehlende Aufmerksamkeit. Wenn ich einem Gespräch, einer Radio- oder Fernsehsendung, dem Platz wo ich meine Brille abgelegt habe, nur oberflächliche Aufmerksamkeit schenke, dann ist es ganz sicher, dass ich kurz danach oder ein paar Tage später nichts mehr davon weiß. Das ist kein Problem des Gedächtnisses, sondern der Aufmerksamkeit. Oder noch deutlicher : dass mein Gedächtnis versagt, ist die logische Folge fehlender Aufmerksamkeit
  • Interessiert sein : Interesse ist die Wurzel der Aufmerksamkeit. Wenn mich nichts interessiert, dann werde ich wohl auch nichts behalten, und meine Gespräche werden sich nach und nach auf alltägliche Kleinigkeiten beschränken : aufs Wetter, aufs Mittagessen, auf den Frühjahrs-Rheumatismus. Das ist zwar auch alles wichtig, fordert aber unser Gedächtnis überhaupt nicht. Für was auch immer wir uns interessieren, es mobilisiert unsere Aufmerksamkeit und damit unser Gedächtnis.
  • Projekte haben : das Gedächtnis merkt sich das, was man beabsichtigt umso besser, je mehr man es vorher darauf vorbereitet hat, es wiederzugeben. Dieses Buch, von dem ich meinen Freunden oder meinen Schülern berichten wollte, diese Ausstellung, an der sich auch meine Zuhörer erfreuen sollen, behält es umso besser, je intensiver ich mir vornehme, das anderen mitzuteilen.Meine Erinnerungen an gestern kommen viel eher wieder, wenn ich sie hervorhole um andere daran teilhaben zu lassen. Ein Gedächtnis ohne Vorhaben ist ein Auto ohne Motor. "Nie abends einschlafen, bevor man sich nicht auf das vorbereitet hat, was einen am nächsten Tag begeistern soll" (Y.E.Victor).

Ein Gedächtnis das lebt, ist ein Gedächtnis das sich ändert !

Ja, es gibt keine zwei gleichen Gedächtnisse, wie es auch keine zwei gleichen Intelligenzen oder zweimal dieselbe Liebe gibt. Jeder erlebt sein Leben lang auf seine Art die ihm gegebene Fähigkeit etwas festzuhalten, zu verändern, sich zu erinnern. Aber sicher ist, dass man niemals so verantwortlich für sich selbst ist und für das, was aus einem wird, als dann, wenn man älter wird, wenn man die verschiedenen Abschnitte überschreitet, die zum hohen Alter führen, wo man nicht mehr das ist was man mal war : Schluss mit Titeln, mit Stellungen, mit Anerkennung, die wir durch unsere gesellschaftliche Position bekamen. Wir sind das, was wir sind - nicht mehr - im Leben und bis zum Tode. Das ist ein außergewöhnlicher Moment im Leben, und eine persönliche Einladung, sich mehr der Verantwortung für uns selbst bewusst zu sein. Unser eigenes Gedächtnis ist einmalig, es ist der rote Faden, der die Persönlichkeiten verbindet, die wir zu verschiedenen Zeiten waren, und der die Einheitlichkeit, die Identität ausdrückt.

Aber auch diese Einmaligkeit unterliegt Bewegungen und Wechseln im Lauf der Jahre. "Das Leben, das schiebt einen voran", erklärte mir ein Kind von 10 Jahren. Ein Gedächtnis, das lebt, ist auch ein Gedächtnis, das einen vorantreibt, vielleicht weniger indem es seine Zweige erweitert als indem es seine Wurzeln vertieft. Es hat nie aufgehört zu lernen, solange nur Liebe im Herzen war, und es Aufmerksamkeit gab. Im Alter kehrt es auch häufiger zu fernen Erinnerungen zurück. Es verspürt dann eine Art Bedürfnis, zu den fernen Wurzeln zurück zu gehen, wie um sich zu vergewissern, dass es dieser heute sehr alte Mensch ist, der einst so viel verschiedenes erlebt hat.

Zurück zur Kindheit ?

Ja, aber im tieferen Sinne eines Lebens, dass sich anschickt, seine letzten Schritte und letzten Entwicklungen zu tun. Unser Gedächtnis ist der treue Begleiter auf dieser letzten Wegstrecke.

Startseite <. . . > nach oben