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| Wenn unsere Aufmerksamkeit geweckt ist, um einem Gespräch zu zu hören oder einen Film anzusehen, im Fernsehen oder im Kino, dann ist unsere Aufmerksamkeit ganz auf das gerichtet, was wir anhören oder ansehen.
Ohne dass wir uns dessen bewusst sind, wirken alle möglichen Elemente im Hintergrund, die die Qualität unserer Aufmerksamkeit stützen und auf Dauer die Verlässlichkeit der Erinnerung, die wir davon zurück behalten. Damit das ganz klar ist, nennen wir einfach mal einige solcher Umgebungs-Faktoren : die Geräusche, die wir gerne bei einer Unterhaltung hören, unser Interesse am Thema, zumal wenn wir früher etwas dazu gelesen haben, der Wunsch, das zu behalten, was gesagt wurde, damit wir darüber mit Kollegen sprechen können, die Bequemlichkeit der Sitze im Kino, das Problem, das wir vorher beim Parken hatten, unsere Kenntnis der Gesprächs-Teilnehmer, durch die wir an andere Filme und an andere Gespräche mit anderen Leuten erinnert werden. Dieses "Hinterland" beeinflusst ständig die Qualität unserer Aufmerksamkeit und unseres Gedächtnisses. Mit drei Untersuchungen konnten wir diesen Einfluss des "Hinterlandes" etwas deutlicher darstellen. |
| DREI UNTERSUCHUNGEN ZUM BESSEREN VERSTÄNDNIS. |
| Von 5 Personen, die befragt wurden, ob es bestimmte Ereignisse gebe, die ihre Gedächtnis-Schwäche beeinflusst hätten, antworten 4 mit Ja, erklären das Ereignis und können das Datum nennen.
Welche Ereignisse scheinen in der Geschichte unserer Gedächtnis-Probleme eine Rolle zu spielen ? Das sind Ereignisse, die uns durcheinander bringen, uns verwirren. In den Aussagen hierzu wurden genannt : Wir wissen jetzt, dass dieses "Hinterland" der Geschichte unseres Lebens manchmal für dauernd das freie Funktionieren unseres Gedächtnisses behindern kann. Es würde also nicht viel helfen, wollten wir dem Problem, das wir mit unserem Gedächtnis haben, mittels Übungen abhelfen. Bemühen wir uns, unser inneres Gleichgewicht wieder zu finden, und wenn wieder frei sind, wird unser Gedächtnis seine Rolle wieder spielen, selbst ohne dass wir uns dessen bewusst werden. |
| Eine lange Untersuchung in Peru veranlasste uns zu der Frage, welches Verhältnis es wohl zwischen dem Gedächtnis und unseren üblichen Beziehungen zu unserer Umwelt geben kann.
Die nachstehende Tabelle zeigt das Ergebnis :
Statistisch gesehen ist das Gedächtnis da schwach, wo die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, d.h. das Verhältnis zu anderen und zum sozialen Umfeld, schwach sind. In dem Maße wie sich die Qualität dieser Beziehungen verbessert, verbessert auch das Gedächtnis seine Leistungen. Oft ist es gar nicht unser Gedächtnis, das uns im Stich lässt, selbst wenn uns dieses Symptom stört. Wir sind öfter allein, unsere Freunde sind weiter weg, durch den Ruhestand haben wir keine Beziehungen mehr zu unserer Arbeit, ein Umzug hat uns von unserer Familie und unseren Freunden getrennt. Nach und nach verlangen wir weniger von unserem Gedächtnis und ganz langsam gewöhnt es sich daran, nicht gefordert zu sein, wie ein Reifen, den ein Nagel durchbohrt hat und der im Laufe von Kilometern die Luft verliert. Wenn man meint, Gedächtnis-Übungen könnten helfen unser Problem zu lösen, etwa wie ein Flickzeug - auch nur Illusion. Viel wichtiger wäre es, wieder soziale Beziehungen herzustellen, die uns vielerlei Gelegenheiten zum Zuhören, zum Sehen, zum wiederholten Austausch, zum Antworten geben. Auf diesem Spielfeld wird auch das Gedächtnis wieder aktiv. Wir sehen also, dass bestimmte Situationen in unserem Leben dazu führen, unser Gedächtnis zu verlieren : Einsamkeit, Fehlen von Kontakten, gesellschaftlich überflüssig sein. |
| Sind manche Leute in größerer Gefahr als andere, dass ihr Gedächtnis im Lauf der Jahre schwächer wird ?
Um das zu erfahren, haben wir eine große Untersuchung bei über 1500 Leuten, Berufstätigen, Ruheständlern, Arbeitslosen, durchgeführt. Ergebnis : die Bevölkerung mit dem größten Risiko der Gedächtnis-Schwäche sind nicht die Alten, wie die meisten Leute denken, sondern viel eher die Arbeitslosen. Ausgegrenzt und sehr oft mit dem starken Gefühl, in der Gesellschaft nicht mehr gebraucht zu werden, sind sie gefährdeter als die Ruheständler. Wenn sie sich dieser Schwierigkeiten bewusst werden, zusätzlich zu ihren Berufsproblemen, dann führt das zu Entmutigung, die ihnen womöglich bei ihren Bemühungen schadet, wieder eine Arbeitsstelle zu bekommen. In Wirklichkeit beruhen ihre Gedächtnis-Probleme aber nicht auf einer unvermeidbaren Verschlechterung, sondern auf Verarmung durch den Abbruch der gesellschaftlichen Kontakte. Weder Appelle zur Anstrengung noch Übungen können ihrem vom Misserfolg beeinträchtigten Gedächtnis die Dynamik wiedergeben. Etwas tun, um aus der unglücklichen Lage heraus zu kommen, wieder Selbstvertrauen gewinnen, die Kontakte aktivieren, die das Leben bietet : Nachbarn, Sport, Reisen, Fortbildung, Vereine. Am Leben aktiv teilnehmen, auch durch anregende Kontakte , das löst ständig auch Gedächtnisfunktionen aus. Das ist der richtige Weg, um die Neuronen wieder zu mobilisieren, die ja auch, durch Mangel an Gelegenheit zu Beschäftigung, arbeitslos geworden sind.
Gefährliche Berufe. Auf jeden Fall bedeutet nicht mehr zu arbeiten einen Bruch mit einer Umgebung, die immer das Gedächtnis angeregt hat. Kontakte mit anderen, Arbeitsanweisungen, berufliche Verpflichtungen die immer da sind : der Terminkalender, Telefonnummern, Namen von Kunden, das alles, obwohl wir dessen gar nicht bewusst sind, sind Anlässe um unser Gedächtnis zu beschäftigen, ob das nun mehr oder weniger gut ist, mit dem wir aber vom Anfang unseres Lebens an leben. Der Bruch dieser Beziehungen und damit der Anlässe, etwas zu behalten, bedeutet das Fehlen eines ständigen Systems von Anregungen, das mehr oder weniger immer in unserem Berufsleben aktiv war.
Übrigens sind die Risiken in den Berufen recht unterschiedlich : diejenigen, die immer auch eine erhebliche innere Anteilnahme b Wenn beim Eintritt in de Ruhestand die Lehrer keine Schüler mehr haben und die Krankenschwestern keine Kranken mehr, dann verschwindet der ständige tägliche Anlass zur Tätigkeit des Gedächtnisses, ebenso wie die Verpflichtung immerfort seine Kenntnisse aufzufrischen. Und wenn dann nicht ganz schnell das Gedächtnis mit anderen Dingen beschäftigt wird, dann führt das mehr oder weniger schnell zur Abnahme der Leistungen des Gedächtnisses, ja sogar zu zeitweiligen Depressionen, die wiederum Gedächtnisverluste zur Folge haben. |
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